Ein Ort mit Geschichte

Kontinuität im Wandel

Trotz aller Veränderungen zieht sich eine Linie durch die Geschichte dieses Hauses: Es war immer ein Ort, an dem Menschen unterstützt wurden. Heute wird diese Aufgabe in neuer Form fortgeführt.

Ein Ort mit Ursprung in Bildung und Fürsorge

Das Schulgebäude Pflugstraße 12, um 1896

Pflugstraße 12 · Das vollständige Schulgebäude, um 1896

Das Gebäude in der Pflugstraße 12 wurde 1889–1890 nach Plänen des Berliner Stadtbaurats Hermann Blankenstein errichtet — im Auftrag der Stadtgemeinde Berlin als Direktorenwohnhaus der 111. und 186. Gemeindedoppelschule.

Die Backsteinarchitektur steht exemplarisch für die öffentliche Bauweise dieser Zeit: ein dreigeschossiges Gebäude über quadratischem Grundriss, geprägt von gleichmäßig gereihten Segmentbogenfenstern, farbigen Ziegelbändern und einem ausladenden Kranzgesims. Typisch für Blankensteins spätklassizistische Formensprache — funktional, klar gegliedert und langlebig. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz (Obj.-Dok.-Nr. 09011121).

Brüche und Veränderungen

Der Zweite Weltkrieg veränderte den Ort grundlegend. Die umliegenden Schulgebäude wurden zerstört – das Direktorenwohnhaus blieb als einziges Gebäude des Schulensembles erhalten.

In der DDR-Zeit diente das Haus als Kindertagesstätte — ein Ort der Fürsorge blieb es damit auch in dieser Epoche. Bis 2002 wurde das Gebäude weiter als Kita genutzt.

2004 wurde das Gebäude der Stiftung zunächst zur Verfügung gestellt. 2010 erwarb die Stiftung das Haus mit Spendengeldern — und sicherte damit die langfristige Grundlage für die Arbeit des Gesundheitszentrums.

Der Garten

Im Hof des Gesundheitszentrums liegt ein kleiner Garten mit Pavillon – gepflegt von ehrenamtlichen Freizeitgärtnern seit den ersten Jahren des Zentrums. Auch ein Doktorand der Landschaftspflege der Humboldt-Universität beteiligte sich 2008 an der gärtnerischen Gestaltung.

Der Garten hat eine lange Geschichte: Lange bevor das Haus zum Gesundheitszentrum wurde, war der Hof Teil des Schulhofs der Gemeindeschule – und später Spielplatz der Kindertagesstätte. Heute ist er ein ruhiger Rückzugsort für Patientinnen und Patienten.

Neue Nutzung – ein Ort für Menschen

Das Gesundheitszentrum heute

Das Gesundheitszentrum heute – ein Ort medizinischer Hilfe.

Rückansicht mit Garten

Das Haus heute – eingebettet in ein gewachsenes Umfeld.

Seit 2006 hat das Gebäude eine neue Aufgabe. Was einst ein Ort der Bildung war, ist heute ein Ort der Unterstützung für Menschen, die oft keinen Zugang zum regulären Gesundheitssystem haben.

Bedeutung heute

Das Gebäude verbindet mehrere Ebenen:

  • Historisches Baudenkmal aus der Berliner Gründerzeit
  • Zeugnis von Zerstörung und Wandel
  • Ort konkreter Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenslagen

Die ursprüngliche Idee öffentlicher Fürsorge lebt hier weiter – nicht mehr als Schule, sondern als Gesundheitszentrum für Menschen, die Unterstützung brauchen.

Die Entwicklung des Hauses ist eng mit der Geschichte der Stiftung verbunden. Seit der Gründung im Jahr 2002 wurde gezielt darauf hingearbeitet, einen Ort zu schaffen, der medizinische und soziale Hilfe unter einem Dach vereint.

Die Pflugstraße – benannt 1889, im selben Jahr wie der Bau des Hauses – taucht auch in der Literatur auf: Peter Weiss erwähnt sie in seinem Romanessay Die Ästhetik des Widerstands (1975–1981), einem der bedeutendsten deutschsprachigen Werke des 20. Jahrhunderts.

Ein beiläufiges Detail – und doch ein Hinweis darauf, dass diese Straße schon immer Teil eines lebendigen, widersprüchlichen Berlin war.

Zur Geschichte der Stiftung →

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